Midlife crisis, also eine Krise in der Mitte des Lebens.
Dieses Phänomen taucht immer wieder als Thema auf.
Aber gibt es das wirklich?

Vor dem inneren Auge erscheint bei mir sofort ein braungebrannter Mann mit grauen Schläfen, der in einem schnellen, sehr flachen und jugendlichen Sportauto sitzt.
Ich frage mich, wie er da wieder aussteigen will ohne sich einen Hexenschuss zuzuziehen.

​Das wäre der Klassiker.

Das Gleiche gilt aber auch für uns Frauen, nur ist die Ausprägung eine andere.

Wir tendieren eher zur äußerlichen, körperlichen Verjüngung.
Um Gerechtigkeit walten zu lassen übertreibe ich auch hier:
Haare in “wechseljahrs-rot” färben, zuviel Make up gegen die lästigen Falten, ein viel zu auffälliger Lippenstift, ein Cabrio, noch höhere Hacken als sonst und so weiter und so weiter.

Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn man sich gut pflegt, auf sich achtet und sich seine Gesundheit und gutes Aussehen erhalten möchte.
Nur wenn es zur Lebensaufgabe wird jugendlich zu erscheinen, auch wenn man diesen Lebensabschnitt schon lange hinter sich gelassen hat, dann belastet das stark unsere Psyche.

Denn was machen wir, wenn wir plötzlich so reagieren?
Wir stellen uns in Frage.
Wir erleben unglaubliche Selbstzweifel.
“War das schon alles?”
“Gehöre ich zum alten Eisen?”
“Bin ich noch attraktiv?”

Was passiert mit uns?

Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist es recht einfach zu erklären.

Die Hormone werden langsam herunter gefahren, der Trieb sich fortzupflanzen lässt nach, die Nachkommen werden flügge und verlassen nach und nach das Nest, die Aufgabe der Erhaltung der Art ist mehr oder weniger erfolgreich abgeschlossen.
Es ist nicht mehr nötig die gesamte Energie dafür zu verwenden, den Körper 100% in Stand zu halten.
Der Abbau kann beginnen.
Der rein körperliche Sinn des Lebens ist erfüllt.
Jeder Pinguin würde bei dieser Auflistung nickend zustimmen, wenn er lesen könnte.

Also hätten wir die körperliche Seite geklärt.
Warum also, fällt es uns schwer solche offensichtlichen Tatsachen zu akzeptieren?

Wir sind keine Pinguine!​

Nun, wir Menschen sind erwiesenermaßen keine Pinguine.
Wir haben einen Superhirn im Kopf, das verschiedene spannende Sachen kann.
Unter anderen Dingen haben wir etwas was sich Bewusstsein nennt, und dieses Bewusstsein findet sich mit vielen Tatsachen nicht einfach so ab, nur weil die Natur das so vorgesehen hat.
Unser Kopf stellt Fragen.
Die “Wieso-weshalb-warum”-Fragen.
Meist können diese Fragen nicht befriedigend beantwortet werden und die Suche nach einer Lösung ist dann vergeblich. Der Leidensdruck kann dadurch enorm steigen.

Die Folge:
Wir werden unsicher und ängstlich, weil wir unsere bisherigen Erfahrungen nicht einsetzen können.
Nun haben wir aber leider dieses ominöse “Midlife” noch nicht erlebt. Es ist neu.
Wir fangen an, nach Erklärungen zu suchen und wenn wir jemanden finden, der uns die Veränderungen erklärt, können wir das besser einordnen und fühlen uns wieder sicherer.

Kaum ein Mensch setzt sich mit den Veränderungen im mittleren Alter auseinander bevor er dort ankommt.
Seien wir ehrlich, man hat doch das Gefühl ewig jung zu bleiben.
Alt werden nur die anderen, die Armen.

​Jugendwahn​

In unserer Gesellschaft herrscht der “Jugendwahn” vor.
Das ist für alle, die irgendwann nicht mehr jugendlich sind, bedauerlich.
Sie geraten unter großen Druck und verkennen vollkommen die Vorteile des Älterwerdens.
Manche verlieren die Orientierung und versuchen ein Leben zu leben, dass sie vielleicht 30 Jahre vorher hätten leben sollen.
Den Anforderungen, die solch ein Leben stellt kann man aber auf Dauer nicht genügen.
Das wiederum hat die Natur so vorgesehen.

Midlife crisis und was jetzt?

Ruhe bewahren.
Man wird nicht von jetzt auf gleich alt, versprochen.
Aber wer sich früh damit auseinander setzt, ist seinen anderen Altersgenossen weit voraus.
Sortieren, orientieren und fester Boden unter den Füßen sind eine gute und stabile Basis von der aus man in aller Gelassenheit agieren kann.

​Auch wenn man sich selbst schon so lange kennt, gibt es immer noch neue Fähigkeiten zu entdecken. Oder auch alte Neigungen wieder aus dem Keller der Erinnerungen hervor zu holen.
Vielleicht schlummert dort der alte Wunsch doch noch Saxophon zu lernen oder in einem A capella Chor solistisch zu singen oder kiten zu lernen oder das Können am eigenen Herd weiter zu perfektionieren oder oder….

Das Leben kann so spannend sein.

​Die häufigsten Probleme

Wenn man die Ohren offen hat und den Menschen in solchen Krisen zuhört, tauchen immer wieder die selben bedrängenden Probleme auf:

  • ​ Routinen werden als langweilig und erdrückend empfunden
  • die Frage nach dem “Wer bin ich?” ist völlig ungeklärt
  • die Kommunikation mit dem Partner ist so aufregend wie eingeschlafene Füße
  • es existiert eine große Angst vor neuen Pfaden
  • Wünsche werden als unbequem und lästig abgetan
  • der Kampf gegen das Älterwerden ist ermüdend und macht unflexibel und…alt

Fass dir ein Herz und wage es

Der beste Weg aus der Krise ist also der Mut und das Selbstbewusstsein etwas Unbekanntes wagen zu wollen.

  • ​erlebe öfter mal was Neues
  • kümmer dich um deine Wünsche oder Träume
  • ändere alte, ausgelatschte Gewohnheiten
  • suche dir ein neues Hobby oder lass ein altes wieder aufleben
  • freunde dich mit dir selbst an und werde dir klar, was du willst
  • sprich mit deinem Partner über deinen Wunsch nach Veränderungen, sonst kann er nicht mithalten und das wäre doch schade

Wenn ich mir sicher bin, dass ich das, was ich tue, richtig für mich ist und ich dahinter stehe, komme ich auch mit dem Midlife klar.
Denn es ist nur ein weiterer, wichtiger Lebensabschnitt, der viel Potential in sich bergen kann.

Hase oder Tiger?

​Wer älter werden möchte ohne auf der Strecke zu bleiben, darf kein Hasenfuß sein.
Mein 93-jähriger Vater hat es treffend formuliert:

“Alt werden ist nichts für Feiglinge!”

Betrachten wir die Vergangenheit und empfinden, dass wir etwas verpasst haben, ist das der Zeitpunkt genau daran etwas zu ändern.
Selbstverständlich kann man nicht alles nachholen, darum geht es nicht.
Es geht eher darum herauszufinden, was lässt dein Herz höher schlagen, bringt dich dazu Freudensprünge zu machen oder ganz einfach:

was macht dich glücklich ?

Du wirst feststellen, dass es ganz andere Dinge sind, als noch vor 25 Jahren.
Und das ist gut so, denn du bist nicht mehr 25.

Orientierung und Klarheit machen stark

​Es ist oft schwer aus den gewohnten Routinen auszubrechen und sich selbst den Spiegel vorzuhalten. Oder die eigenen Wünsche zu erkennen oder neue Möglichkeiten zu entdecken.
Viel einfacher hat es da ein neutraler Betrachter von außen.
Er hat keine Geschichte mit deiner Persönlichkeit und damit auch viel weniger Vorurteile und festgefahrene Meinungen.
Du möchtest mehr darüber erfahren? Hier hast du die Möglichkeit.

Wenn du mit dir selbst im Reinen bist und das Leben für dich spannend bleibt,
dann ist die “Midlife crisis” doch nur ein Mythos.​

Herzliche Grüße
Sabine​